Räikkönen vollbringt das WM-Wunder
Interlagos : Rennen
Eigentlich glaubt niemand so recht daran, Kimi Räikkönen hatte sieben Punkte Rückstand auf WM-Leader Lewis Hamilton, drei auf Fernando Alonso. Der Finne brauchte ein Wunder, um seinen ersten WM-Titel feiern zu dürfen - aber manchmal geschehen Wunder. Das von Kimi Räikkönen war heute in Sao Paulo an der Reihe.
Schon am Start zeigte der Iceman sein Können: er schnellste an Lewis Hamilton auf Position 2 vorbei, war schon fast an seinem Teamkollege Felipe Massa vorbei, musste dann aber hinter dem Brasilianer zurückstecken, wobei ihm Hamilton noch einmal nahe kam. Danach flogen die Ferrari im Parallelflug dem restlichen Feld davon - sie fuhren in einer eigenen Welt. Zunächst lag aber Massa vor Räikkönen, in dieser Konstellation reichte es noch nicht zum Titelgewinn für Räikkönen.
Beim ersten Boxenstopp kam er ebenfalls noch nicht an Massa vorbei. Der Brasilianer stoppte in Runde 20, Räikkönen in Runde 21 - eine Runde mehr reichte jedoch nicht, um vorbeizugehen. Dafür tankte er länger, um beim zweiten Stopp länger fahren zu können. Diesmal kam Massa in Runde 50, Kimi jedoch erst in Runde 53. In Zusammenarbeit mit einem Verbremser des Brasilianers, ein bisschen Verkehr auf dessen Outlap und den drei zusätzlichen Runden ging Räikkönen knapp vor Massa in Führung - jetzt war er Weltmeister. Daran konnte in den letzten Runden niemand mehr etwas ändern. In der Endabrechnung setzte er sich mit einem Punkt Vorsprung gegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso durch.
Denn Lewis Hamilton verschenkte seine Titelchance bereits in der ersten Runde. Nachdem ihn Räikkönen im Senna S überholt hatte, schlüpfte auch Fernando Alonso am Briten vorbei. Das wollte Hamilton nicht auf sich sitzen lassen, setzte zum Konter an, verbremste sich und fuhr leicht neben die Strecke - plötzlich war er nur noch 8. Noch schlimmer kam es ein paar Runden später: Hamiltons McLaren verlor urplötzlich an Speed, er rutschte bis auf Rang 18 ab, dann fing er sich wieder und konnte im normalen Tempo weiterfahren. Der Schaden war jedoch schon angerichtet; seine Aufholjagd hoffnungslos. Barrichello, Sutil, Schumacher, Davidson, Sato, Nakajima - alle zogen gegen den angriffslustigen Silberpfeilpiloten den Kürzeren.
Dann wollte der McLaren-Kommandostand mit einem taktischen Kniff die WM herumreißen: Hamilton kam zu einem kurzen zweiten Stopp herein, zog die weichen Reifen auf und war nun auf einer Dreistoppstrategie unterwegs. Im Mittelstint brachte ihm das kein Glück. Am Ende holte er auf Platz 7 liegend noch einmal mit großen Schritten auf Heidfeld vor ihm auf, aber der Abstand war in den letzten 5 Runden zu groß. Hamilton beendete den Grand Prix als Siebter und WM-Zweiter, punktgleich mit Alonso.
Das letzte Podium des Jahres sah Räikkönen, Massa und Alonso jubeln. Dahinter sicherte sich Nico Rosberg in einem heißen Duell gegen Robert Kubica den vierten Platz. Platz 6 schnappte sich Nick Heidfeld vor Hamilton und Jarno Trulli. Die Top10 komplettierten David Coulthard und Kazuki Nakajima, hinter dem sich der Schotte einmal sogar drehte. Nakajima erlebte noch einen weiteren Schreckmoment: bei seinem ersten Boxenstopp fuhr er zwei Mechaniker um, die auf einer Trage abtransportiert wurden. Im Kampf um WM-Rang 4 setzte sich Williams jedoch klar gegen Red Bull durch.