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Grand Prix - Interlagos 2009


Grand Prix Termin
(18/10/2009)

Streckenvorstellung
Fotos von diesem GP
Team-Stimmen
Streckenlänge
4.309 Km

Runden/Renndistanz
71 (305.909 Km)

Podium 2009
1. Webber
2. Kubica
3. Hamilton

Pole Position 2009
Barrichello (1.19.576)

Schnellste Runde 2009
Webber (1.13.733)




Samba auf Britisch: Button ist Weltmeister!



Photo F1-Live.com

Zoom

Die Formel 1 hat einen neuen Champion: Jenson Button beendete den heutigen Grand Prix von Brasilien in Interlagos bei São Paulo als Fünfter und sicherte sich damit ein Rennen vor Schluss den WM-Titel der Fahrer. Der Brawn-Mercedes-Pilot lieferte vom 14. Startplatz eine kämpferische Leistung ab und krönte mit der vorzeitigen Entscheidung seine bisherige Karriere.

Button stellte zu Beginn des Rennens sein außergewöhnliches Talent unter Beweis, als er ganz im Stile eines Weltmeisters einen Konkurrenten nach dem anderen überholte. Gegen Ende hin konnte er es dann ruhig angehen lassen, als klar war, dass seine Rivalen Rubens Barrichello (Brawn-Mercedes) und Sebastian Vettel (Red-Bull-Renault) nicht die notwendigen Punkte holen würden, um die WM-Entscheidung nach Abu Dhabi zu vertagen. Auch der befürchtete Regen blieb aus.

Sieg von Webber überschattet
Im Jubel um den neuen Weltmeister ging Sieger Mark Webber (Red-Bull-Renault) völlig unter - ebenso wie der Sensationszweite Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team), der mit Trockensetup vielleicht eines der besten Rennen seiner Karriere fuhr und dafür mit seinem ersten Podestplatz dieser Saison belohnt wurde. Polesetter Barrichello war lange Zeit unterwegs zu Platz drei, fiel aber im Finish noch zurück und wurde letztendlich nur Achter.

Vor dem Start lag - wie so oft im Autodromo Carlos Pace von Interlagos - Spannung in der Luft. Diese entlud sich dann gleich zu Beginn: Zwar gewann Barrichello den Start souverän und Webber bog als Zweiter ein, doch dahinter kam es eingangs Senna-S zu einer leichten Berührung zwischen Adrian Sutil (Force-India-Mercedes) und Kimi Räikkönen (Ferrari), der sich mit KERS-Boost vom fünften auf den dritten Platz nach vorne schob.

Etwas weiter hinten wurde Vettel von den beiden Silberpfeilen in die Zange genommen. Dabei drehte sich Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes), wodurch Giancarlo Fisichella (Ferrari) ausweichen musste. Vettel überstand die Situation unbeschadet. Für den Deutschen war dies schon die zweite Schrecksekunde: Am Vorstart hatten die Mechaniker das Trockeneis zur Kühlung im Seitenkasten vergessen, wodurch das rechte Barge-Board kaputt geschlagen wurde.

Trulli nach Kollision stinksauer
Noch in der ersten Runde wurde dann wieder einmal Sutil in einen Zwischenfall verwickelt, als Jarno Trulli (Toyota) in der vierten Kurve außen an ihm vorbeigehen wollte. Sutil sah den Italiener nicht und drängte ihn in die Wiese ab, was zur Kollision führte. Beim Austrudeln über die Wiese schoss der herrenlose Force-India-Mercedes auch noch den Renault von Fernando Alonso ab. Anschließend kam es zwischen Sutil und dem fuchsteufelswilden Trulli beinahe zu Handgreiflichkeiten.

Doch damit nicht genug: Als Kovalainen und Räikkönen zum Reparaturstopp an die Box kamen, riss Kovalainen den Tankschlauch mit. Der Finne verteilte dadurch Benzin auf den hinter ihm fahrenden Landsmann, dessen Ferrari sich stichflammenartig entzündete! Räikkönen nahm in der ersten Schrecksekunde die Hand vom Lenkrad, konnte aber weiterfahren. Zu jenem Zeitpunkt war wegen der Sutil/Trulli-Kollision bereits das Safety-Car auf der Strecke.

Nach der turbulenten Anfangsphase war vor dem Restart kurz Zeit zum Durchatmen und zum Sortieren des Feldes. Dabei ergaben sich einige Überraschungen: Hinter Barrichello und Webber war Nico Rosberg (Williams-Toyota) sensationell Dritter, gefolgt von Kubica und Sébastien Buemi (Toro-Rosso-Ferrari). Button war zu jenem Zeitpunkt bereits Neunter, Vettel Elfter - und die beiden arbeiteten sich im Paarlauf immer weiter nach vorne.

Weltmeisterliche Aufholjagd
Vor allem Buttons Aufholjagd war spektakulär: Der angehende Weltmeister griff sich erst Romain Grosjean (Renault), dann Kazuki Nakajima (Williams-Toyota), scheiterte dann aber mit einer weiteren Attacke an Rookie Kamui Kobayashi (Toyota). Den Japaner schnappte sich Button später mit einem Überraschungsangriff im Senna-S. Ähnlich zerlegte er an gleicher Stelle auch Buemi, womit er seine Qualitäten als einer der besten Zweikämpfer der Formel 1 unter Beweis stellte.

Von da an war es für Button leichtes Spiel, den WM-Titel nach Hause zu fahren, weil Polesetter Barrichello an der Spitze den Erwartungen nicht gerecht werden konnte: Der Lokalmatador kam mit dem leichtesten Auto im Feld früher als Webber und Kubica an die Box und fiel dadurch hinter die beiden zurück. Somit reichte Button statt eines dritten schon ein siebenter Rang, um Weltmeister zu werden - und den hatte er ab Rennmitte sicher inne.

Im Finish konnte es sich der 29-Jährige sogar leisten, beim zweiten Boxenstopp hinter Kovalainen auf die Strecke zu kommen und dadurch eine Position an Vettel zu verlieren, der eine Runde später nachtanken lassen musste. Vettel und Button fuhren von da an sicher als Fünfter beziehungsweise Sechster in Richtung Ziel - und rückten sogar noch um einen Platz auf, als Barrichello wegen eines Reifenschadens die Box ansteuern musste.

Barrichello auf dem absteigenden Ast
Barrichello lag zu jenem Zeitpunkt ohnehin nur noch an vierter Stelle, nachdem er kurz zuvor gegen den beherzt überholenden Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) sein vermeintlich schon sicheres Podium verloren hatte. Hamilton hatte nach dem Chaos in der ersten Runde beim Reparaturstopp nachtanken und auf eine Einstoppstrategie umstellen lassen und fuhr in der Folge ein unauffälliges, aber sehr effektives Rennen.

An der Spitze fuhr Webber nach dem ersten Boxenstopp souverän und einsam zum Sieg - nach 71 Runden hatte er 7,6 Sekunden Vorsprung auf Kubica. Der Pole war so etwas wie der heimliche Mann des Rennens: Nach einem tollen Start schnappte er sich beim Restart Rosberg und war Dritter. Beim ersten Boxenstopp ging er fast unbemerkt an Barrichello vorbei und konnte von da an eine starke Pace gehen.

Vettel kam letztendlich als Vierter ins Ziel - und auch wenn seine WM-Chancen schon vor diesem Wochenende nur noch minimal waren, stand ihm die Enttäuschung nach der Zieldurchfahrt ins Gesicht geschrieben. Der Deutsche ließ sich von Teamchef Christian Horner und von Mercedes-Sportchef Norbert Haug trösten. Immerhin ging er in der Gesamtwertung heute um zwei Punkte an Barrichello vorbei.

Vettel bitter enttäuscht
"Es gibt sicher jemanden, dem es besser geht", gab er enttäuscht in die Mikrofone. "Heute war nicht mehr drin. Der vierte Platz war das Maximum, aber schöner wäre es gewesen, ganz oben zu stehen. Ohne die Probleme gestern hätten wir gewinnen können, das ist aber nicht. Klar bin ich enttäuscht, dass jetzt auch die letzte Chance weg ist, aber jetzt wollen wir den Red-Bull-Hattrick perfekt machen und auch in Abu Dhabi gewinnen."

Der "gegrillte" Räikkönen erholte sich von seinem Schock zu Beginn und kam als Sechster ins Ziel, die weiteren Punkteränge gingen an den starken Schweizer Buemi und Pechvogel Barrichello. Letzterer zeigte sich vor heimischem Publikum als fairer Verlierer und stellte sich im Parc Fermé als erster Gratulant beim neuen Weltmeister Button ein. Dabei wäre heute vielleicht seine letzte Chance gewesen, in Interlagos zu gewinnen.

Bei Button brachen indes nach der Zieldurchfahrt alle Dämme: Der frischgebackene Weltmeister lief jubelnd an den Kameraleuten vorbei, fiel seinem Teamchef Ross Brawn, Vater John und später auch Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone in die Arme. Während für das Siegerteam Red Bull gerade "Vielgerühmtes Österreich" ertönte, gab Button schon seine ersten Interviews als Weltmeister: "Ich habe keine Stimme mehr", entschuldigte er sich.

"We are the Champions" am Boxenfunk
Bereits zuvor hatte er am Boxenfunk euphorisch "We are the Champions" zum Besten gegeben - und das auch stellvertretend für sein Brawn-Team, das in der Konstrukteurswertung vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi uneinholbar in Führung liegt. Der ehemalige Honda-Rennstall schreibt damit im ersten Jahr nach der Übernahme gleich Geschichte. "Ich bin unglaublich stolz", gab Teamchef Brawn am Kommandostand gerührt zu Protokoll.

Doch im Schatten der WM-Entscheidung gab es heute einige weitere stille Helden - Grand-Prix-Debütant Kobayashi war einer davon: Der junge Japaner lag zum Zeitpunkt seines ersten Boxenstopps kurzzeitig an zweiter Stelle, lieferte sich später zweimal ein kompromissloses Duell mit Nakajima (beim zweiten fuhr sich Nakajima den Frontflügel ab, was in der Mauer endete) und bot lange Zeit sogar Button die Stirn.

Bemerkenswert auch, wie Kobayashi im Finish noch an Fisichella vorbeiging und sich den zehnten Platz sicherte. Insgesamt sahen 14 von 20 gestarteten Piloten die Zielflagge, Grosjean und Jaime Alguersuari (Toro-Rosso-Ferrari) allerdings mit einer Runde Rückstand. Zu den sechs Ausgeschiedenen des vorletzten Saisonrennens 2009 zählten neben drei Deutschen auch Nakajima, Trulli und Alonso.

Heidfeld ohne Benzin ausgeschieden
Rosberg schied nach der ermutigenden Anfangsphase mit Getriebeschaden aus, Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) blieb nach einem missglückten Boxenstopp ohne Benzin liegen - und Sutil hatte es bekanntlich schon in der ersten Runde erwischt. Die Aufregung von Trulli, der ihn später hart attackierte, konnte der Deutsche übrigens nicht nachvollziehen: "Ich habe ihn nicht gesehen. So auf mich loszugehen, ist keine besonders noble Aktion..."

Weltmeister Button gab später eine Pressekonferenz: "Es war ein erstaunliches Rennen - vielleicht das beste meiner Karriere, auch wenn ich nicht gewonnen habe. Es hat lange gedauert, diesen Titel zu gewinnen, aber es sind viele starke Fahrer und Teams in der Formel 1. Wir haben uns gegen alle durchgesetzt. Es war nicht leicht, aber wir haben es geschafft. Heute ist der größte Tag meiner Karriere. Ich bin überglücklich!"

Vor dem abschließenden Grand Prix in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind alle wichtigen Entscheidungen in der Weltmeisterschaft bereits gefallen. Spannend wird es noch zwischen Vettel und Barrichello (74:72) um den Vizetitel bei den Fahrern und um den dritten Platz in der Konstrukteurswertung - McLaren-Mercedes ging heute an Ferrari vorbei und nimmt nun einen Punkt Vorsprung ins Saisonfinale mit.



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