Frage: "Die Rennen werden momentan eher im Qualifying als im Rennen entschieden, nicht wahr?"
Theissen: "Die Länge des ersten Rennstints spielt auch eine Rolle, aber es stimmt, dass es unter den drei Topteams kaum Überholmöglichkeiten gibt. Ich hoffe, dass sich das nächstes Jahr mit dem neuen Aeropaket ändern wird."
Frage: "Ist das nicht frustrierend?"
Theissen: "Nein, es ist nicht frustrierend für die Ingenieure, aber die Fans sehen das vielleicht ein bisschen anders. Und sonderlich aufregend ist es natürlich auch für uns nicht. Für die Fahrer ist es auch frustrierend, denn als Fahrer spürst du, dass du nicht zum Vordermann aufschließen kannst."
Elektronische Geschwindigkeitsbegrenzung?
Frage: "Nick Heidfeld hatte in Barcelona Pech mit der neuen Safety-Car-Regel, da gab es heftige Diskussionen. Wie kann man dieses Problem lösen?"
Theissen: "Ich denke, die ultimative Lösung wäre eine Kontrolle durch das Auto selbst, genauer gesagt durch die Elektronik. Das wäre aber keine sofortige Lösung, denn so einen Geschwindigkeitsbegrenzer müsste man erst testen. Das wird in den nächsten paar Rennen nicht passieren. Charlie Whiting (Technischer Delegierter der FIA; Anm. d. Red.) hat den Vorschlag gemacht, eine minimale Sektorzeit für Sektoren mit gelber Flagge festzulegen, was man meiner Meinung nach sofort umsetzen könnte. Das wäre besser als der jetzige Zustand."
Frage: "Könnte man das noch vor Monaco umsetzen?"
Theissen: "Ich hoffe es, denn dort ist das Risiko eines Safety-Cars am höchsten. Ich glaube, das wird hier beim Treffen der Teammanager diskutiert."
Frage: "Was können Sie tun, um die Starts zu verbessern? Können Sie da am System arbeiten?"
Theissen: "Da geht es um Feintuning und Übung. Wir können sicher mit dem Motorenmapping etwas tun, aber auch die Fahrer müssen es üben. Es gibt da keinen Konzeptwechsel. Durch die neuen Regeln spielt der Fahrer eine größere Rolle. Jeder Start ist anders."
Frage: "Ist Ihr Expansionsprogramm schon abgeschlossen und haben Sie genug Ressourcen, um parallel das 2008er- und das 2009er-Auto zu entwickeln?"
Theissen: "Ja. Die zwei großen Themen sind KERS und das 2009er-Aeropaket. Wer jetzt noch nicht mit der aerodynamischen Arbeit begonnen hat, wird auch nicht mehr rechtzeitig hinkommen."
Frage: "Wie stark werden sich die 2009er-Autos von denen unterscheiden, die wir jetzt haben?"
Theissen: "Der Hauptunterschied ist sicher das Wegfallen von all den aerodynamischen Zusatzelementen. Das Bodywork wird auch anders aussehen, aber das ist nicht das große Thema."
Frage: "Das Motorenthema kommt gerade wieder ein wenig auf. Hat Ferrari da einen größeren Sprung gemacht als alle anderen?"
Theissen: "Sagen wir es so: Die Regeln lassen keinen großen Sprung zu, seit die Motorenentwicklung eingefroren ist. Ob da eine Weiterentwicklung stattgefunden hat, die zur Leistungssteigerung führt, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube aber nicht, dass Istanbul eine Strecke ist, auf der das speziell erkennbar wäre."
Ferraris PS-Sprung: Kein Betrugsverdacht
Frage: "Aber stellen Sie sich nicht auch die Frage, warum Ferrari diese Änderungen im Kolbenbereich und so weiter unter dem Aspekt der Haltbarkeit gestattet wurden?"
Theissen: "Die stellt man sich generell, klar. Es ist ja auch in der Regel so, dass Änderungen, die von der FIA genehmigt werden, vorher den anderen Teams dargelegt werden."