Im Nachhinein ist man immer schlauer - nach diesem Motto betrachtet man bei McLaren-Mercedes die Entscheidung von Hockenheim, Lewis Hamilton während der Safety-Car-Phase nicht zum Tanken zu holen und ihm somit das Leben deutlich zu erschweren. Es ist ja auch alles gut gegangen. McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh blickte im Teaminterview auf die umstrittene Entscheidung zurück und erklärte, warum Hamilton mit seinem Teamkollegen Heikki Kovalainen auffällig leichtes Spiel hatte.
Frage: "Martin, das Team ist nach einem Vorfall im Qualifying bestraft worden. Was ist dort passiert?"
Whitmarsh: "Wenn man in der Hektik einer Qualifying-Session nur ein wenig Benzin nachfüllen möchte ist es einfacher, dies mit einer kleinen Benzinkanne zu tun als mit der normalen Tankanlage. Artikel 29.2 des sportlichen Regelements besagt allerdings, dass ein Fahrer während des Tankvorgangs zwar im Auto sitzen bleiben darf, aber nur dann, wenn eine von der FIA abgenommene Tankanlage benutzt wird. Sonst muss der Motor abgestellt werden."
Strafe für falsches Betanken
"Wir haben Heikkis Auto während Q2 bei laufendem Motor - zweifellos inkorrekt - mit einer Tankkanne betankt, aber wir dachten, dass wir im Rahmen der Regeln handeln, denn wir benutzten eine Kanne von 'Intertechnique', die als Zulieferer von der FIA geprüft sind und alle Teams mit dem Tankequipment beliefern.
Nachdem wir den Vorfall mit den Stewarts diskutiert hatten, haben wir eingesehen, dass wir gegen das sportliche Reglement verstoßen haben. Wir haben dadurch keinen Wettbewerbsvorteil gehabt und haben die Strafe der Stewarts als fair akzeptiert."
Frage: "Am Sonntagnachmittag habt ihr bei Lewis einen strategischen Fehler gemacht, als ihr ihn während der Safety-Cart-Phase draußen gelassen habt. Was führte euch zu dieser Entscheidung?"
Whitmarsh: "Generell ist es so, dass wenn du einen Grand Prix anführst und schnell unterwegs bist, dann bist du risikoanfälliger als die Piloten hinter dir. Der erste Stint hatte uns gezeigt, dass wir deutlich schneller unterwegs waren als alle anderen. So sehr, dass wir uns entschieden, Lewis schon früh zum ersten Stopp hereinzuholen und ihn dann für einen langen zweiten Stint zu betanken. Als das Safety-Car herauskam, haben wir unsere Optionen durchgespielt. Wir hatten das Gefühl, dass es besser sei, Lewis mit leichtem Auto frei vorne wegfahren zu lassen, anstatt ihn möglicherweise durch einen Stopp in Probleme zu bringen. Es hätte ihn nach hinten verschlagen können. Außerdem wäre Heikki in Schwierigkeiten gekommen, weil er sich an der Box hinter Lewis hätte anstellen müssen."