Beide Piloten haben noch intakte Titelchancen, in der Konstrukteursmeisterschaft führt man mit immerhin elf Zählern Vorsprung, das Auto ist schnell - Die Bedingungen bei Ferrari scheinen rundum gut zu sein, dennoch gibt es regelmäßig traurige Gesichter im Lager der Italiener. Man macht oftmals zu wenig aus den blendenden Möglichkeiten. Jüngstes Beispiel ist der Ausfall von Felipe Massa beim Grand Prix in Ungarn, als ihm wegen eines Motorschadens nur zehn Kilometer vor dem Ziel der sichere Sieg durch die Hände glitt.
Nach Pleiten, Pech und Pannen gibt es in Maranello jeden Montag nach einem Rennen häufig die gleichen Szenen und Aussagen. Beim Meeting mit Luca di Montezemolo wird Bilanz gezogen und Klartext gesprochen. Oftmals musste der Ferrari-Boss in den vergangenen Wochen auf den Tisch hauen und seine Mannschaft zu konzentrierter Arbeit anhalten. "Ich habe schon zu Beginn der Saison gesagt, dass ich auf die Reaktion der italienischen Führung gespannt bin, wenn es mal schief geht", erklärte 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer.
Droht hausinterner Krach bei Ferrari?
"Bisher ging es viel besser als ich es erwartet habe. Die Tendenz ist aber da, dass irgendwann die englische Ruhe und vielleicht auch Polarisierung fehlt, die ein Ross Brawn damals hatte", schätzte Surer, der die Problembewältigung in Maranello mit Spannung verfolgt. Das Pulverfass Ferrari könnte irgendwann zur Explosion kommen.
In den zurückliegenden Wochen hat sich die Stimmung beim Traditionsrennstall auch dadurch verändert, weil Felipe Massa immer häufiger vor dem amtierenden Weltmeister Kimi Räikkönen fährt.
Die Hackordnung droht zu kippen, auch dank der Leistungssteigerung des Brasilianers. "Er hat immer noch die fahrerischen Blackouts: der Dreher in Malaysia, die Rekordzahl an Drehern in Silverstone. Wenn er mal neben den Schuhen ist, dann richtig. Aber er ist sauschnell, das war er eigentlich schon immer. Er ist jetzt aber öfters sauschnell. Er kriegt das jetzt häufiger auf die Reihe, dass er das umsetzen kann, was in ihm steckt. Da hat er eindeutig eine Steigerung hingelegt", so Surer, der die Stärke von Massa auch auf eine Schwäche von Räikkönen zurückführt.
"Offensichtlich hat Räikkönen ein ähnliches Problem wie Nick Heidfeld. Das Auto taugt ihm nicht so. Vor allem, was die Qualifikation angeht. Er scheint Probleme mit der Balance zu haben und kriegt es für eine Runde nicht auf die Reihe. Es ist nur ein Problem über die eine schnelle Runde. Das erkennt man daran, dass er im Rennen fast immer die schnellste Runde dreht. Der hat in diesem Jahr schon sieben Mal die schnellste Rundenzeit im Rennen gefahren. Das bedeutet: Der Ferrari ist gut, aber Kimi bekommt es nicht auf eine Runde hin."