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ettel: ''Ein Fahrer geht nie über seine Grenzen''

01/07/09 09:14


Photo F1-Live.com

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Nach seinem beeindruckenden Sieg in Silverstone kommt Sebastian Vettel nun zurück nach Deutschland, um seine Aufholjagd in der Gesamtwertung am Nürburgring fortzusetzen. Mit dem Eifelkurs verbindet der Red-Bull-Youngster viele schöne Erinnerungen, bestreitet im Juli allerdings seinen ersten Formel-1-Grand-Prix auf dem Rundkurs im Schatten der Nürburg. Im Interview sprach Vettel über den Faktor Heimspiel, Arbeitsteilung im Team, die besten Stellen und die kulinarischen Seiten des Nürburgrings.

Frage: "Sebastian, du kommst zum ersten Mal als Formel-1-Pilot an den Nürburgring. Ein gutes Gefühl?"
Sebastian Vettel: "Ja, ich habe viele schöne Erinnerungen an den Nürburgring. Ich bin schon mit dem Go-Kart über die Nordschleife gefahren. Außerdem bin ich am Nürburgring viele Rennen gefahren in der Formel BMW, Formel 3 und auch in der Renault-Worldseries."

Frage: "Kannst du dich noch an dein erstes Rennen dort erinnern? Wann war das und in welcher Serie bist du gefahren?"
Vettel: "Es war 2003 in der Formel BMW."

Frage: "Dein schönstes Erfolgserlebnis dort?"
Vettel: "Siege in der Formel BMW im Rahmen des Formel-1-Rennens, Siege in der Formel-3-Euroserie, Siege in der Renault-Worldseries."

Der Traum vom Heimsieg am Nürburgring

Frage: "Das Rennen in der Eifel ist dein Heim-Grand-Prix. Gibt es eigentlich noch so etwas wie einen Heimvorteil?"
Vettel: "Ja, ich würde sagen es ist wie im Fußball, wenn man ein Heimspiel hat. Man gibt immer einhundert Prozent, aber die Motivation ist bei einem Heim-Grand-Prix noch einmal größer, weil man sich zuhause einfach immer besonders wohl fühlt. Unweit vom Nürburgring habe ich mit dem Kart in Kerpen viele Erfahrungen gesammelt und deshalb auch viele Freunde aus der Gegend."

Frage: "Beeinflussen die Zuschauer - in diesem Fall die deutschen Fans - einen Piloten im Cockpit oder blendet man das einfach aus und betrachtet den Heim-Grand-Prix im Auto als Rennen wie alle anderen?"
Vettel: "In den 90 Minuten, in denen ich das Rennen fahre, denke ich nicht darüber nach, in welchem Land ich mich gerade befinde, sondern konzentriere mich voll auf das Rennen. Aber die Zeit davor und danach ist immer etwas Besonderes und zuhause ist es am schönsten."

Frage: "Bekommst du von der Euphorie der Fans und der Stimmung an der Rennstrecke überhaupt etwas mit?"
Vettel: "Auf jeden Fall. Ich finde es gut, dass es in Deutschland noch so viele Motorsport-Fans gibt, die hinter einem stehen und einen mit ihren Tröten, Fahnen und was es sonst noch gibt anfeuern. Das hebt gewaltig die Stimmung. Es gibt nichts Schöneres als eine Ehrenrunde nach einem Sieg vorbei am Publikum."

Frage: "Ein Sieg beim Heim-Grand-Prix ist aber sicherlich etwas Besonderes. Träumt man gelegentlich davon?"
Vettel: "Ja, aber das sind mehr Tagträume. Ich freue mich grundsätzlich über einen Sieg, aber wenn man als Deutscher in Deutschland die deutsche Nationalhymne hört, ist das schon was ganz Spezielles."

Vettel: Mit Spaß zum Erfolg

Frage: "Zur Strecke: Welcher Streckenabschnitt gefällt dir in der Eifel am besten?"
Vettel: "Der Abschnitt von der Ford-Kurve bis unten zur Kehre. Und die Warsteiner-Kurve zusammen mit der Linkskurve davor."

Frage: "Welche Kurven sind die heikelsten?"
Vettel: "Die Ford-Kurve und die Warsteiner-Kurve zusammen mit der Linkskurve vorher sind meiner Meinung nach die heikelsten.
"

Frage: "Wo gibt es eine Möglichkeit zum Überholen?"
Vettel: "Die NGK-Schikane als Hochgeschwindigkeitskurve mit ihrer anspruchsvollen Links-Rechts-Kombination lädt zu Ausbremsmanövern geradezu ein, denn nach dem schnellen Hatzenbachbogen muss hart verzögert werden, bis auf rund 100 Kilometer pro Stunde."

Frage: "Gibt es neue Teile für deinen Wagen?"
Vettel: "Die Jungs in der Fabrik arbeiten hart und wir bringen zu jedem Rennen neue Teile mit."

Frage: "Du machst Druck, um Verbesserungen zu erzielen, fährst Rennen, hast Sponsoren-Termine. Wie viele Stunden arbeitest du eigentlich pro Woche?"
Vettel: "Da ich kein Beamter bin, muss ich über meine Arbeitsstunden nicht Buch führen oder mit einer Stechuhr arbeiten. Außerdem macht mir die Arbeit so viel Spaß, da merke ich gar nicht, wie schnell die Zeit verfliegt."

Frage: "Träumt man da ab und an von einem Job zwischen 9 und 17 Uhr oder bist du dafür nicht der Typ?"
Vettel: "Nein, so ein Typ bin ich jetzt wirklich nicht. Ich bin einer der glücklichen Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben."

Was ist drin für Vettel in der Eifel?

Frage: "Gibt es beim Testen am Freitag und Weiterentwickeln eine Arbeitsteilung zwischen dir und deinem Teamkollegen Mark Webber?"
Vettel: "Natürlich werden die neuen Teile, die getestet werden sollen, zwischen mir und Mark aufgeteilt. So testet einer beispielsweise den Frontflügel und der andere die Aufhängung. Zudem tauschen wir Daten über die Reifen untereinander aus. Mark und ich haben einen ähnlichen Fahrstil, was für das Team die Sache einfacher macht, weil man nur in eine Richtung entwickeln muss."

Frage: "Was ist einfacher: Sich fahrerisch weiterzuentwickeln oder ein Formel-1-Auto schneller zu machen?"
Vettel: "Es ist eine Kombination aus beidem. Der Fahrer entwickelt sich weiter und passt seinen Fahrstil gegebenenfalls dem Auto beziehungsweise den Reifen an. Genauso wird das Auto weiterentwickelt, um es schneller zu machen und dem Fahrstil des Fahrers entgegen zu kommen."

Frage: "Formel-1-Piloten schieben den Grenzbereich immer weiter raus. Wie viel Prozent deines möglichen Leistungsvermögens hast du erreicht? Reicht das, um den Grand Prix 2009 in der Eifel zu gewinnen?"
Vettel: "Ein Formel-1-Fahrer geht nie über seine Grenzen, sondern maximal immer genau an die Grenze und kann nur mit Gewissheit sagen, dass er ein Rennen gewinnen kann, wenn er auch das richtige Material, also das richtige Auto hat. Mit anderen Worten: Wir werden sehen."

Frage: "Man spricht vom Mythos Nürburgring. Sind die Strecke, das Umfeld und die Nordschleife auch für dich etwas Einzigartiges?"
Vettel: "Die Nordschleife ist eine wunderschöne Strecke, eine der besten überhaupt. Es geht auf und ab, es gibt sehr viele schnelle Kurven und es macht einfach Spaß, dort zu fahren. Die Eifel ist mit Sicherheit was Besonderes, weil zu jeder Zeit das Wetter umschlagen kann, egal ob das Rennen im Sommer stattfindet. Deshalb sollte man immer eine dicke Jacke einpacken. Die Nordschleife prägt diesen Mythos auch zurecht. Der neue Nürburgring ist eine der besseren unter den neuen Rennstrecken. Auch die Schnitzel in den kleinen Kneipen sind legendär..."

Motorsport-Total
© CAPSIS International





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